Die Herbstausgabe 5/2016

Die Herbstausgabe von „Dance for You“ Magazine hält Galas fest im Blick:

Sie wuchern wie Pilzmycel: Galas. Des einen Freud, des anderen Leid, jeder mit stichhaltigen Argumenten. Wie in den gleichen Spektakeln des Opernbereichs reihen sich Konzertnummern zu Perlen eines bunten, häufig wenig kleidsamen Colliers. Pas de deux werden aus dem inhaltlichen Zusammenhang gerissen, stehen hilflos für sich, bleiben dem Unkundigen in ihrer Stückfunktion unverständlich. Zweitbeiträge werden mit heißer Nadel genäht, damit sich der Einsatz des Gaststars lohnt und sich seine Reisekosten amortisieren. Prominente, publikumswirksame Namen verlocken Fans und Neugierige zum Ticketkauf, denn aus den Einnahmen speisen sich die teils beträchtlichen Honorare der weitgereisten Tanzheroen. Bei Benefiz-Galas fließt der Erlös guten Zwecken zu, etwa der Stiftung Transition. Andererseits ist es den nicht selten mies bezahlten Tänzern kaum zu verdenken, wenn sie durch Galas ihr Salär in der eh kurzlebigen Berufskarriere aufbessern.

Bliebe das Für. Nicht jeder Tanzliebhaber kann auch nur in die nah gelegenen Compagnien fahren, um aufgehende Sterne am Ballettfirmament zu bestaunen. Da kommen international besetzte Galas recht. Wenn sie klug konzipiert sind, bieten sie nicht bloß das ausgelutschte klassische Funkelwerk, sondern machen auch choreografisch mit neuen Talenten, Handschriften, Tendenzen bekannt. Kurzweilig sind sie allemal, muss man doch nicht ewig ausharren, bis ein nerviger Beitrag vorbei ist: irgendetwas gefällt immer, und aufs Gefallen als ganz subjektives Kriterium reduziert sich der Gala-Genuss ohnehin.

Nicht anders bei der Neuauflage von „Malakhov & Friends“. Pikantes Moment: Mit diesem Trick kehrte der vormalige Intendant des Staatsballetts Berlin, unsanft, obwohl nicht ganz unverschuldet vom Sockel gestoßen, durch die Hintertür heim in die Stadt, in der er eine Eigentumswohnung besitzt und der nach eigener Aussage sein Herz gehört. Demonstrativ strömten Fans und Neugierige in den Admiralspalast. Gesponsert ist das Projekt von KPM, Friedrichs II. Königlicher Porzellanmanufaktur, wo man Malakhovs Schläppchen aus „weißem Gold“ nachformt. Weiter

— Posted on September 28, 2016 at 20:51

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